header left      header right

Zeit für Kinder Ekkehard von Braunmühl

Folgen Sie uns auf Twitter Folgen Sie uns auf FaceBook

Zeit für Kinder
border right
border right
border bottom
im: tologo verlag
Seiten: 212
erschienen: 2006
ISBN: 978-3-9810444-2-3
Preis: 9,90 EUR
warenkorb

Leseprobe

»Das Jahr des Kindes«

Unsere Zeit könnte, sollte, müßte die beste Zeit für Kinder sein, die es je gab. [...] Zu keiner Zeit wurden Kinder mehr beachtet, wußten die Erwachsenen mehr über das Wesen von Kindern, über die Bedürfnisse von Kindern, über die Voraussetzungen und Bedingungen, unter denen sich Kinder am besten entwickeln. Zu keiner Zeit waren sich die Erwachsenen ihrer Verantwortung für das Gedeihen der Kinder stärker bewußt. Zu keiner Zeit wurden Kinder ernster genommen. In den reichen Staaten des Westens waren auch zu keiner Zeit die wirtschaftlichen und politischen Zustände für eine glückliche Kindheit günstiger: Hunger und Krankheiten sind weitgehend gebannt, die Winter haben ihre Schrecken verloren, es gibt mehr und bessere Wohnungen denn je, die Eltern haben immer mehr Freizeit, mit der Familienplanung steigt die Zahl der Wunschkinder, der letzte Krieg ist fast vergessen, Kinderarbeit längst abgeschafft, Kinderzimmer, Kindergärten und Schulen strotzen von förderlichem Lernmaterial wie Verfassungen, Gesetze, Bildungspläne von kinderfreundlichen Vorsätzen: Das Wohl des Kindes erhält immer mehr Vorrang, die freie Entfaltung der Persönlichkeit wird garantiert, die Würde des Menschen ist unantastbar, Selbstbestimmung und Mitbestimmung, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Toleranz und andere vielversprechende Begriffe haben Hochkonjunktur - es könnte, sollte, müßte eine reine Lust sein, als Kind in dieser Zeit zu leben.

Aber: Irgendwie und irgendwo ist der Wurm drin. Kinder- und Jugendlichenkriminalität, Kinder- und Jugendlichenalkoholismus, Kinderund Jugendlichenselbstmorde, Drogenprobleme, Gewalttätigkeiten, Verhaltensstörungen - allein, daß es ein solches Wort gibt, signalisiert ein Übel: Unterdrückte, mißhandelte, in ihrer Würde geschändete Kinder und Jugendliche nennt man nicht leidende Kinder und Jugendliche, nicht unglückliche Kinder und Jugendliche, man nennt sie »verhaltensgestört«. Zwar ist diese Mißachtung der Gefühlsebene nicht auf Kinder und Jugendliche beschränkt, aber sie wirkt sich ihnen gegenüber besonders drastisch aus, weil sie dem Urteil ihrer Umwelt stärker ausgeliefert sind als Erwachsene.

»Zeit für Kinder« kann also diese Zeit nicht meinen. Kindheit heute ist - nicht nur als Schulzeit - eine Zeit gegen Kinder. »Zeit für Kinder« meint aber auch nicht den oft zu hörenden Appell, Erwachsene sollten sich mehr Zeit für Kinder nehmen. Für mehr Zeit könnte man sich nur aussprechen, wenn es eine schöne Zeit wäre, die vermehrt werden sollte. Würde aber zwischen den Generationen Freundschaft statt Feindschaft herrschen, wäre dieser Appell überflüssig, weil die Erwachsenen von sich aus viel mehr Zeit mit Kindern verbringen würden als heute. Wer mit Kindern umgehen kann, liebt es, mit Kindern umzugehen. Aber so, wie es heute aussieht, stünde es noch viel schlimmer um unsere Kinder und Jugendlichen, wenn sich ihre Feinde mehr Zeit für sie nehmen würden.

»Zeit für Kinder« will so nur sagen, daß unsere Zeit eine gute Zeit für Kinder werden kann. Es ist nicht einmal besonders schwierig, das zu erreichen, aber es genügt nicht, es nur zu wollen. Deshalb sagt Ihnen dieses Buch, wie unsere Zeit eine gute Zeit für Kinder werden kann. Es ist gewiß nicht das erste kinderfreundliche Buch, aber es ist das erste, aus dem Sie erfahren, was Kinderfreundlichkeit wirklich ist.[...]

Dieses Buch ist ein Lernbuch, weil man Kinderfreundlichkeit und Sicherheit im Umgang mit Kindern nicht lehren, sondern nur lernen kann. Ich möchte es außerdem als eine Waffe verstanden wissen, als Waffe im antipädagogischen Freiheitskampf, den ich für den überfälligen und einzig sinnvollen Freiheitskampf unserer Zeit und Weltgegend halte. Mit diesem Gedanken spreche ich besonders diejenigen Leserinnen und Leser an, die meine bisherigen Arbeiten schon kennen. Sie werden bemerken, daß ich nur notwendigen Wiederholungen bringe, um mich nicht immerzu hinter jene Bücher zurückziehen zu müssen, da es ja um einen Vormarsch geht. Und weil ich glaube, in wesentlichen Punkten entscheidend vorangekommen zu sein (ohne daß in jedem Problembereich schon das letzte Wort gefallen wäre, aber letzte Wörter gibt es in diesem geschichtlichen Felde ohnehin nicht zu ernten), bitte ich Sie, die Tauglichkeit dieses Buches als »Waffe« sorgfältig zu prüfen.

Betrachtet man den gegenwärtigen Stand der Dinge, kann einem der Verdacht kommen, die Menschheit habe mit ihren bisherigen Freiheitskämpfen wenig Glück gehabt. Vielleicht muß man gerade deshalb heute so oft betonen, wie »freiheitlich« unsere Gesellschaft ist...

HINWEIS: Dieser Auszug ist dem Kapitel "Das Jahr des Kindes" aus dem Buch "Zeit für Kinder - Theorie und Praxis von Kinderfeindlichkeit, Kinderfreundlichkeit und Kinderschutz" entnommen und für diese Webseite angepasst. Es unterliegt den Bestimmungen des Copyrights und darf ohne schriftliche Genehmigung des tologo Verlages in keiner Weise vervielfältigt werden.

zum Buch

marker Übersicht
marker Autor
marker Inhalt
marker Leseprobe
marker Rezensionen
marker Ansichten
topbox

Presse

marker Rezensionsexemplar
topbox

Wir liefern Ihre Bücher innerhalb Deutschlands versandkostenfrei!

Auch als E-Book für 8,99 EUR:   Amazon Kindle  Apple  Kobo  Thalia  Hugendubel

Mehr zu: Leben mit Kindern, Erziehungs- & Schulkritik, Bestseller, E-Books

vorschaubild
border right
border right
border bottom

Antipädagogik

Studien zur Abschaffung der Erziehung

erschienen im tologo verlag

von: Ekkehard von Braunmühl

Als das Buch „Antipädagogik“ erschien, löste es gleichermaßen Entrüstung und Begeisterung aus. Ekkehard von Braunmühl hatte pädagogisches Denken, die Erziehung der Kinder nach vorgegebenen Zielen und erzieherischen Ehrgeiz als Ursache für den allgegenwärtigen Erziehungskrieg zwischen Erwachsenen und Kindern entlarvt.

marker Details
vorschaubild
border right
border right
border bottom

Auf den Spuren des Glücks

Das Kontinuum-Konzept im westlichen Alltag

erschienen im tologo verlag

von: Carola Eder

Mit ihrem 1980 erschienenen Buch „Auf der Suche nach dem verlorenen Glück“ inspiriert Jean Liedloff Mütter und Väter bis heute. Sie entwickelte aus dem glücklichen und harmonischen Zusammenleben der Ye’kuana und besonders ihrem Umgang mit Babys und Kindern das Kontinuum-Konzept. Dessen Kernthemen wie Stillen, Tragen, Familienbett aber auch Gefahren, Nachfolgebereitschaft und Respekt werfen bei der Umsetzung im westlichen Alltag viele Fragen auf.

marker Details