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Ein klarer Blick Daniel Greenberg

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Ein klarer Blick
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im: tologo verlag
Seiten: 103
erschienen: 2006
ISBN: 978-3-9810444-1-6
Preis: 11,90 EUR
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Leseprobe

Bevor ich zum Schluss komme, möchte ich noch ein merkwürdiges Paradox erwähnen. Die Gesellschaft hebt immer wieder hervor, wie wichtig mehr Kommunikation sei. Das ist eine sehr moderne Entwicklung. Als ich jung war, in den 40er und 50er Jahren, sprachen die Leute nicht die ganze Zeit von dem Bedarf an Kommunikationskompetenzen. Meine Eltern erwähnten dieses Wort nie. Aber als die Technik ausgereifter wurde, besonders in den 60er Jahren, begann sich das zu ändern. Man erkannte, dass Kommunikation eine wichtige Fertigkeit ist; jetzt redet jeder davon. Es ist paradox: Obwohl die Leute betonen, wie wichtig Kommunikation ist, schrecken sie in der Schule davor zurück. An traditionellen Schulen ist sie strengstens verboten. Dass die Kinder den ganzen Tag den Mund aufmachen, ist das letzte, das man dort will. „Du sprichst. Du störst den Unterricht.“ Ein Professor, bei dem ich Vorlesungen besuchte, beantwortete im Unterricht nicht einmal Fragen. Er betrat den Raum und begann, an die Tafel zu schreiben und seinen Vortrag zu halten. Wenn jemand die Hand hob, weil er etwas nicht verstanden hatte, schaute der Professor ihn nur an und sagte: „Sie bezahlen hier nicht dafür, sich selbst reden zu hören. Sie bezahlen dafür, mich reden zu hören. Wenn Sie eine Frage haben, kommen Sie in meine Sprechstunde.“
Man weiß in unserer Kultur, wie wichtig Kommunikation ist. An unseren Schulen aber, wo wir angeblich Leute darauf vorbereiten, ihren Platz in der sich ständig verändernden, sich rasch entwickelnden Welt einzunehmen, wird Kommunikation auf ein Minimum beschränkt. In den vergangenen 30 Jahren haben wir an Sudbury Valley gelernt, dass freie Kommunikation eine der größten Stärken der Schule ist. Wenn man die Leute frei sein lässt, kommunizieren sie. Sie reden den ganzen Tag. Und jetzt verstehen wir, warum.
Wenn du also das nächste Mal Kinder herumhängen siehst, denke daran, wieviel ihnen das bringt. Stelle dir die Schule als eine moderne Akademie des Aristoteles vor, wo die Schüler ihren Verstand schulen, indem sie mit einander reden.
Ich möchte schließen mit einem wunderbaren kurzen Zitat aus einem Artikel von Bruce Thomas ³: „Also, was sind Worte wert? Offensichtlich sehr viel. Aber Worte sind für unser Bewusstsein wie Luft für unseren Körper – ein Teil des Lebens, der für uns so selbstverständlich ist, so vertraut, dass er unsichtbar wird. Zudem sind Worte in ihrer Form als Konversation ein Bestandteil der Schule, der für Psychometriker und Ökonomen zu tiefst problematisch ist. Wie misst man das Verhältnis von Konversation zur Schülerleistung? Wie misst man Konversation überhaupt? Wie berechnet der Ökonom einen Einfluss, der sich ständig ausdehnt und wieder zusammenzieht und der in einer Fülle geschaffen werden kann, die dem von Knappheit geprägten Charakter der traditionellen Schulen zuwiderläuft? Unordentlich und schwer fassbar. Konversation liegt außerhalb des Messbereiches und widersetzt sich der Aufnahme als Variable in Ursache-Wirkungs-Beziehungen. Aber das ist schon in Ordnung. Reden wir einfach alle weiter.“

³ „What Are Words Worth?“, Sudbury Valley School Journal (Vol. 27, No. 2), S. 39

HINWEIS: Dieser Auszug ist dem Kapitel "Gespräche führen: Der Kern vom Ganzen" von Daniel Greenberg aus dem Buch "Ein klarer Blick: Neue Erkenntnisse aus 30 Jahren Sudbury Valley School" entnommen und wurde für diese Website angepasst. Der Text unterliegt den Bestimmungen des Copyrights und darf ohne schriftliche Genehmigung des tologo verlages in keiner Weise vervielfältigt werden.

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