Die Geographie.
Auch sie ist nur ein Gesinnungsfach. Hierüber nur drei Worte: Daß der Mensch eine ungefähre Anschauung bekomme, wie die Erdkugel aussieht und wie sie bewohnt ist, mag angehen. Aber darüber geht der geographische Schulunterricht weit hinaus und sein Kern ist doch die politische Geographie. Sie ist im Grunde nicht nur gleichgültig, sondern sogar irreführend. Denn die Gebiete der Staaten sind bekanntlich oft genug gar nicht identisch mit den Gebieten der betreffenden Rassen und Sprachen. Und das, was den Schülern da obligatorisch eingepaukt wird, sind in letzter Linie doch die Staatsgrenzen und die Staatsresidenzen. Was hat es aber vom Standpunkt der „Intelligenz“ aus für ein „Bildungs“interesse zu wissen, wo etwa nun Assuncion oder Tientsin gelegen ist und an welchem Flusse Lyon liegt? Wenn dort etwas „passiert“, so bringen ja die Zeitungen ohnehin darüber Mitteilung, meist mit besonderen Kärtchen dazu. Außerdem aber wird man eben — ganz so, wie wir es seinerzeit eventuell alle an Hand besonderer Kriegskarten gemacht haben, — Atlanten bei der Hand haben, aus denen man sich im Einzelfalle informiert und mit der Zeit von selbst ein gewisses Anschauungsbild erhält. Warum soll man auswendig lernen, welches die Hauptstadt von Beira ist und welcher der höchste Berg der Sierra Nevada?
Die Geographie dient in Wahrheit nur dem nationalpolitischen Zweck, der Jugend die Wichtigkeit der Staaten und Staatsgrenzen und die (an sich gar nicht natürlich gewachsene) Liebe zu „Deutschland, Deutschland über alles“ zu suggerieren und darum auch die Vorstellung zu erwecken, daß man von diesem geliebten Lande natürlich auch jede Einzelheit wissen müsse.
