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Die Finanzierung der Neuordnung.

Zum Schluß wären noch einige Worte über die Finanzierung der vorgeschlagenen Kinder-Heimstätten zu sagen: Eigentliche Neukosten würden daraus ja allerdings nicht erwachsen, im Gegenteil: volkswirtschaftlich sogar voraussichtlich eine erhebliche Ersparung; denn erstens ist natürlich ein Gemeinschaftsleben sehr viel billiger, als dezentralisiertes Aufwachsen der Kinder in zahllosen einzelnen Familien. Man denke nur an den regelmäßigen Massenbezug von Lebensmitteln, Rohstoffen aller Art, Möbeln, Spielwaren, Kleidungsstücken usw. Zweitens würde ja erstrebt werden, daß die Kinder sich in großem Umfang ihre Kleidung, ihr Spielzeug, z. T. auch Mobiliar selbst herstellen, ihr Essen selbst zubereiten und überdies würde allenthalben der Grundsatz des „simple life“ in Wohnung, Kleidung und Kost propagiert und „guter Ton“ werden. — Auch ist es in der großen Horde viel leichter, daß Spielwaren, Kleider, Bücher usw., die der eine gebraucht hat, an einen anderen übergehen können, als es selbst in kinderreichen Familien geschehen kann, in denen niemand sich mit Eigentumsfanatismus an seine Gebrauchsgegenstände festzuklammern braucht, da er ja schließlich immer alles haben kann, was er braucht. — Schließlich wird auch wirtschaftliche Produktionstätigkeit der Kinder natürlich durchaus gefördert werden und es erscheint durchaus annehmbar, daß größere Kinder schon besondere Anlagen und Interessen, die sie haben, auch nutzbringend verwerten, um sich gewisse Sondereinnahmen zu verschaffen; sei es, daß sie in kleineren Gruppen Feldbau und Gartenbau betreiben oder handwerklich Gegenstände herstellen oder sonst dergleichen.

Immerhin ist natürlich klar, daß zunächst für Anlegung und Unterhaltung der Anstalten große Mittel erforderlich sind, die hinter den Kosten der heutigen Schulverwaltung kaum zurückbleiben dürften, und der Staat, der sie heute trägt und aus dem Steuerfonds deckt, soll ja der Schule fern bleiben. Wie werden also diese Summen am besten beschafft?

Die formell einfachste Lösung wäre ja, die Kosten im Rahmen der sonstigen periodisch zu vereinbarenden Gemeinde-Abgaben (für Wasserleitung, Fäkalienabfuhr, Feuerwehr usw.) auf die Gemeinden umzulegen und so auf alle Eltern oder überhaupt alle Gemeindeangehörigen zu verteilen. Da durch die neue Einrichtung den Eltern die Kosten für die Aufzucht ihrer Kinder erspart werden, wäre es in der Hauptsache nur eine Verschiebung. Mehrbelastung entstände dabei nur für Unverheiratete und kinderlose Ehepaare, je nach Maßgabe ihrer objektiven Leistungsfähigkeit, und das wäre ja ein durchaus erwünschter Ausgleich.[3]

Es gibt aber auch noch eine andere Möglichkeit: Das wäre die Einrichtung einer allgemeinen freiwilligen Mutterschafts-Rentenversicherung, wie ich sie schon vor mehr als zwanzig Jahren vorgeschlagen habe. („Mutterschutz“, Jahrgang II, 1906, S. 149-156. Frankfurt a. Main, J. D. Sauerländer.) Danach wären von jedem zeugungsfähigen Mann und gebärfähigen Weib jährliche Versicherungssummen zu zahlen, die in einen unter öffentlicher Aufsicht stehenden Fonds flössen und verzinst würden, mit der Maßgabe, daß aus diesem Fonds die Mittel für die Aufziehung aller von den Versicherungsteilnehmern gezeugten bzw. geborenen Kinder zu decken wären (natürlich gleichviel, ob ehelich oder unehelich; dagegen könnten evtl. dabei Bestimmungen vorgesehen werden, durch welche die heute mögliche unterschiedslose Fortpflanzung auch von Alkoholikern, Syphilitikern und analogen konstitutionell minderwertigen Personen eingeschränkt wird). Meine Vorschläge sind damals ohne Beachtung geblieben. Neuerdings aber hat der Berliner Universitätsprofessor Dr. Grotjahn sich in sehr dankenswerter Weise für diese Gesichtspunkte eingesetzt und sie, mit einigen Modifkationen, in Wort und Schrift vertreten.

Machen Kinder von dem Aufwachsen in der Schülergemeinde keinen Gebrauch, sondern ziehen es vor, im Elternhause zu verbleiben (die Entschließung liegt natürlich durchaus bei den Kindern), was namentlich auf dem Lande vorkommen kann, und sei es auch nur für eine Reihe von Wochen oder Monaten, so wäre selbstverständlich ein rechnerischer Ausgleich herbeizuführen. Gesichert wäre dabei jedenfalls das erwünschte Ziel, daß alle Kinder des Volkes unter gleichen Bedingungen aufwachsen und nicht in die frühe Jugend bereits das Gift der Klassenscheidung und der Verschiedenheit der wirtschaftlichen Lage hineingetragen wird.

[3] Dieser etwas ‚kommunistische‘ Wunsch, Leute für Dinge, die sie gar nichts angehen, mit Abgaben zu belasten zugunsten anderer, scheint mir im Widerspruch zu stehen mit des Verfassers sonstigen Anschauungen. Der Verleger.

Die Schule

Ein Frevel an der Jugend


von: Walther Borgius

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Inhalt:

I. Geschichtliches
Ursprünglich freies Aufwachsen der Kinder.
Der Staat als Wurzel des Gehorsams.
Die Jünglingsweihen.
Anfänge des Schulwesens.
China.
Die Antike.
Die Kirche als Schulherrin.
Die spätmittelalterlichen „Stadtschulen“.
Die Reformation und die Schule.
Streben zur Vereinheitlichung des Volkes.
Staatliche Volksschulen.
Der „Bet-Ernst“.
Der Pietismus.
Die Schuldisziplin.
Die Toleranzidee.
Die Schulen des neueren Frankreichs.
Die Schule des neuen Preußen.
Die Schule als Staatsmonopol. — Die Lehrer als Staatsbeamte.
Das Prüfungs-Unwesen.
Das Berechtigungswesen.
Schule und Revolution von 1789.
Süverns Entwurf eines allgemeinen Schulgesetzes.
Die Reaktion.
Bismarck und der Liberalismus.
Die Schulfinanzen zwischen Zollmisere und Sozialistenangst.
Kampf Kaiser Wilhelms gegen die Sozialdemokratie.
Militärische Vorbereitung der Jugend.
Staatsbürgerliche Erziehung.
Die Fortbildungsschule.
Die Produktionsschule.
Das Ethos der Arbeit.
Die Staatsschule, der Fluch der Kindheit.
Das moderne Ausland.
Vereinigte Staaten von Nordamerika.
Australien.
Italien.
Rußland.
Kollektivunterricht und Individuum.

II. Grundsätzliches
Die Weltgeschichte.
Die Geographie.
Die deutsche Sprache.
Fremdsprachen.
Die Naturwissenschaften.
Die Mathematik.
Turnen.
Kunst.
Interesselose Kinder.
Die künftigen Formen des Aufwachsens der Kinder.
Das Spiel, die natürliche Funktion des Kindes.
Eingriffe der Schule ins Privatleben.
Die Sklaverei des Kindes.
Die Beseitigung der Schule.
Die Finanzierung der Neuordnung.

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